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Aktuelles Thema: Mobbing

Kennzeichen von Mobbing sind Macht und Ohnmacht, sowie die Willkür der Mächtigen.

 

Der Begriff "Mobbing":

 

Kommt aus dem Englischen und bedeutet, fertigmachen, anpöbeln (mob = Pöbel, mobbish = pöbelhaft). Als Mobbing bezeichnet man eine Form offener und/oder subtiler Gewalt gegen Personen über längere Zeit mit dem Ziel der sozialen Ausgrenzung. Es kann sich dabei um verbale und/oder physische Gewalt handeln.

 

Was Mobbing an sich ist definiert Dan Olweus so:

 

„Ein Schüler oder eine Schülerin ist Gewalt ausgesetzt oder wird gemobbt, wenn er oder sie wiederholt und über eine längere Zeit den negativen Handlungen eines oder mehrerer anderer Schüler und Schülerinnen ausgesetzt ist.“

 

5 Merkmale von Mobbing:

 

1. Ein Konflikt hat sich verfestigt.

2. Von zwei Konfliktparteien ist eine,

zumeist eine einzelne Person, in die Unterlegenheit geraten.

3. Diese Person wird häufig und

4. über eine längere Zeit angegriffen oder drangsaliert.

5. Diese Person hat kaum die Möglichkeit, sich aus eigener Kraft aus ihrer Situation zu befreien.

 

Direktes Mobbing: Hänseln, Drohen, Abwerten, Beschimpfen, Herabsetzen, Bloßstellen, Schikanieren

 

Indirektes Mobbing: Ausgrenzen, Ruf schädigen, "Kaltstellen" durch das Vorenthalten von Informationen und Beschädigen von Eigentum der gemobbten Person u.ä.

 

Mobbing ist vorsätzlich

Mobbing ist der vorsätzliche heimtückische Angriff auf das soziale Ansehen und die seelische Gesundheit der Zielperson.

 

Mobbing beschädigt massiv 

 

- das Selbstvertrauen 

 

- die Lernmotivation 

 

- die Gesundheit

 

- die Menschenwürde.

 

Mobbing ist nützlich für den oder die Täter

als Entlastungsventil für Aggression

als Möglichkeit,sich zu den Starken zu gesellen

als Vehikel für ein vermeintliches Zugehörigkeitsgefühl und für die eigene Aufwertung.

 

Mobbing hilft

gegen Langeweile und Frust.

 

Mobbing ist Lust

am Quälen

 am Missbrauch von Macht.

 

Mobbing vergeht

nie von allein.

 

Oft sind die Erwachsenen erstmal hilflos und schauen deshalb lieber weg. Opfer jedoch, ob Kinder oder Erwachsene, suchen die Schuld meist bei sich selbst und geraten so zunehmend in eine soziale Isolation. Wenn in der Schule Lehrkräfte auf Mobbing in ihren Klassen angesprochen werden, reagieren diese meist überrascht. Zum einen, weil Schikanen oft zu subtil und meist außerhalb des Unterrichts, während der Pausen oder auf dem Schulweg gesehen, zum anderen, weil Lehrer selbst die Situationen unterschätzen.

 

Je länger Mobbing andauert, um so schwieriger ist es, eine Lösung zu finden und um so sicherer ist die körperliche oder seelische Beeinträchtigung der betroffenen Kinder oder Erwachsenen.

 

Warum funktioniert Mobbing eigentlich so gut und oft auch so lange?

 

WEIL: Mobbing NIE von alleine vergeht


Das heißt, wir alle können und müssen etwas tun:

 

Wenn wir Mobbing sehen oder wahrnehmen müssen wir aus dem Kreis der Dulder treten, eingreifen, es sichtbarbachen, es ansprechen, aufklären und uns auf die Seite des Opfers stellen!

 

Mitschüler, Lehrer und Eltern sind hier als Unterstützer gefragt! Nicht schweigend zuschauen - eingreifen und den Konflikt thematisieren. 

 

Bist Du betroffen? Hier gibt es anonyme Hilfe im Netz: Jugendnotmail

 

Mobbing passiert mitten unter uns. Wir alle können und müssen etwas dageben unternehmen! Die Autorin Nina Meyer hat etwas getan: Sie hat sich intensiv mit dem Thema „Mobbing“ und den Folgen für die Betroffenen beschäftigt. Der Beitrag ist ein Ausschnitt aus einer einstündigen Sendung mit dem Titel „Stark – Eine Magazinsendung für Kinder“. Ausgestrahlt wurde er vom hannoverschen Bürgersender LeineHertz 106einhalb.

 

Radiobeitrag „Stark - Eine Magazinsendung für Kinder: Mobbing“ (mp3, 4,5 MB)

 

Statements

Katia Saalfrank: Alles, was Kinder tun und sagen, hat Sinn

 

"Kinder müssen nicht erzogen werden, sie brauchen eine authentische Beziehung!"

 
"Wir brauchen ein Umdenken: Kinder sind auch Menschen und brauchen wertschätzenden Dialog und Austausch auf Augenhöhe"


"Die perfekten Eltern sollte es nicht geben - im Gegenteil. Wir sollten offen sein, uns mit unseren Kindern zu entwickeln"


"Kinder brauchen Eltern, die authentisch sind und auch Verantwortung übernehmen - auch für ihre eigenen Fehler"


"Ein Klaps hat noch jedem geschadet! An Menschen, die das Gegenteil behaupten kann man sehen, dass die Lüge funktionier hat. Denn der Klaps gibt vor, erzieherisch zu wirken!"

"Ein Klaps bringt dem Kind bei, dass Schlagen zum Dialog dazu gehört!"

"Die Eltern sind immer Vorbild - gutes oder schlechtes."

 

Ist die pädagogische Arbeit vor der Kamera gestellt und erhalten die Familien Anweisungen?

Nein! Auf gar keinen keinen Fall. Es war niemals irgendetwas gescriptet oder irgendjemand hat Anweisungen bekommen. Es gab keine Drehbücher und keine Geschichte, die geplant war - 

Im Gegenteil. Die Kamera begleitet das, was passiert im Alltag der Familien. Auch, wenn das oft bezweifelt wird - ich kann es immer nur wiederholen: Die Dynamik ob Gewalt, Abwertung oder Strukturlosigkeit zeigt sich sehr schnell. Es ist allerdings davon auszugehen, dass sich immer nur ein Teil des Ganzen zeigt. Oft sind z.B. Gewalt oder Ablehnung ohne Kamera noch viel stärker als unter Beobachtung mit Kamera - es ist also oft nur die "Spitze des Eisbergs" zu sehen.

 

Leider ist die Gefahr, dass die Zuschauer denken, dass jemand eingreift und die Familien instruiert oder Drehbuch vorhanden ist, sehr groß, weil es einfach kaum Formate gibt, die nicht so arbeiten. Viele Formate arbeiten genau so, mit Drehbuch und Anweisung, so dass die Menschen auch gerne glauben, dass bei "Der Super Nanny" alles gestellt und "getrickst" wird. Manchmal würde ich es mir wünschen, denn viele Situationen sind auch schrecklich! Aber: Ich kann hier ganz klar sagen, dass meine pädagogische Beratung lediglich von der Kamera begleitet wird und nichts gestellt oder geskriptet ist. Auch erhalten die Familienmitglieder keine Anweisungen, wie sie sich verhalten sollen. Im Gegenteil. Es ist eben alles echt und nichts gestellt. Wenn jemand etwas anderes behauptetet, dann stimmt das nicht! Ich kann nachvollziehen, dass es für die Familien nicht leicht ist, sich selber zu sehen. Es ist eben manchmal auch für die Familien im Nachhinein nicht leicht zu sehen, wie sie miteinander umgegegangen sind. 

 

Für die weiterführende Betreuung vor Ort und für die Ausstrahlung gibt es dann auch eine psychologische Begleitung in Form von Psychologen, die die Familien bei Ihrer Entscheidung, ihre Probleme in der Öffentlichkeit zu zeigen auch unterstützt und sie begleitet! Am Ausstrahlungstag der Sendung sitzt dann eine Psychologin gemeinsam mit der Familie zu Hause auf dem Sofa und schaut die Sendung gemeinsam an. Das ist oft nicht einfach. Viele Familien jedoch können gut hinschauen und sehen, was sich verändert hat. Nur wenige sind nicht einverstanden und negieren - oft bei heftigen Gewalt- bzw. Gefühlsausbrüchen - dass alles so gewesen ist. 

 

Sind jemals Menschen oder Tiere, mit denen Sie vor der Kamera gearbeitet haben in diesem Rahmen, in dieser Zeit durch Sie oder Ihr Team zu Schaden gekommen?

 

Niemals! Im Gegenteil. Es ging ja darum die Situation in der Familie positiv zu verändern. Oft sind unvorhersehbare Dinge passiert. Da mussten wir uns dann alle drauf einstellen. Manchmal sind Kinder krank geworden, lagen dann mit Erkältung oder Grippe im Bett. Dann musste ich die Arbeit unterbrechen. Und wir alle haben natürlich Rücksicht genommen. 

 

Wie läuft Ihre päd. Arbeit vor Ort denn genau ab?

Insgesamt sind 9-10 Tage für eine Familienarbeit (mit Auf- und Abbau) mit der Kamera vorgesehen. Das Fernsehteam ist drei Tage vor mir vor Ort und filmt und begleitet den Alltag der Familie. Ich selber bin dann immer 6 Tage vor Ort! In den ersten Tagen beobachte ich nur. Für die Familien ist das oft komisch, weil ich eben nicht wie ein Besuch auf sie zukomme, mich hinsetze, Kaffeetrinke und mich unterhalte, sondern mich im Gegenteil völlig zurückhalte. Es gibt nur eine Begrüßung und ansonsten keine Kommunikation - das ist für alle Familienmitglieder oft irritierend und gehört dennoch dazu. Ich bitte dann die Familien so zu sein, wie sie immer sind, damit ich mir ein Bild machen kann und ziehe mich völlig in den Hintergrund zurück.

 

Die Kommunikation zwischen mir und den Eltern beginnt erst beim ersten Gespräch. Hier gebe ich ein klares Feedback von dem, was ich gesehen habe, erfrage Hintergründe und lasse auch die Familie erzählen, was sie sich von der Arbeit mit mir versprechen. Gemeinsam überlegen wir, welche Ziele realistisch erreichbar sind und wo es vielleicht auch Wünsche gibt, die ich so nicht erfüllen kann. Wichtig ist hier, dass die Familien ihren Arbeitsauftrage an mich formulieren.

 

Dann finden weitere Gespräche mit den Kindern oder auch pädagogische Maßnahmen, wie Videoanalysen oder Übungen statt. Im Mittelpunkt der Arbeit steht vorallem das Coaching im Alltag. Das heißt in der direkten Situtation die Eltern im Umgang mit den Kindern zu unterstützen. Zwischendurch halten wir immer wieder inne, die Familien teilen mit, wie es ihnen geht, ob sie zufrieden sind und wir überlegen, ob wir den Zielen näher kommen. Manchmal müssen wir umplanen, manchmal wird auch bei Veränderung erst alles noch schwieriger. Oft kommen ja auch verborgene Themen der Eltern nach oben, mit denen wir dann umgehen müssen.

 

Es ist von Beginnn an klar, dass ich ein Intensivsetting von sechs Tagen mit der Familie habe. Wir besprechen dann gemeinsam langfristige Hilfen und Begleitungen vor Ort und zum Ende hin ich stelle die Nachsorge vor, die von einer Psychologin übernommen wird. Die Verabschiedungen sind oft herzlich und ich bekomme regelmäßig von Familien Briefe oder Bilder mit Berichten, wie es ihnen in der Zwischenzeit ergangen ist. 

 

Was sagen Sie zur Kritik des DKSB an Ihrer Sendung?

Diese Kritik gibt es von Beginn an. Es ist natürlich viel einfacher sich für die Absetzung einer Sendung einzusetzen, als hinzuschauen und Verfehlungen im System anzuerkennen und vielleicht auch mal über Veränderungen im Familienhilfesystem nachzudenken! Wer wenn nicht der Kinderschutzbund könnte hier Verantwortung übernehmen!

 

Misshandlungen von Kindern

"Misshandlungen von Kindern finden meist im Verborgenen, im privaten Bereich - hinter geschlossenen Türen - in der Familie statt. Die Zeichen hierfür sind oft nicht eindeutig, zumal es sich nicht nur um physische, sondern auch um psychische Gewalt handelt. Wenn wir in unserer Umgebung Anzeichen dafür haben, dass mit Kindern nicht gut umgegangen wird, dann sind wir alle gefragt! Wir dürfen nicht wegsehen, sondern müssen helfen. Helfen heißt nicht, die Mutter bzw. die Eltern zu verurteilen - Emotionen helfen da nicht weiter, auch wenn wir über den Umgang "geschockt" sind. Helfen heißt in diesem Fall das Amt informieren und konsequent dran zu bleiben."

 

Hier noch mögliche Anzeichen für Misshandlung:

 

• Verschmutzte oder nicht wetterfeste Kleidung des Kindes

• Extreme Kontaktscheu und Schüchternheit

• Auffallende Aggressivität

• Sprachstörungen

• Betteln

• Herumlungern auf der Straße bis spät abends

• Eltern sind häufig alkoholisiert

• Gestank dringt aus der Wohnung

• Fenster sind zugeklebt, Vorhänge immer geschlossen, Rolläden heruntergelassen

• Das Kind fehlt häufig im Kindergarten oder in der Schule

• Eltern gehen grob mit dem Nachwuchs um

• Aus der Wohnung hört man oft Schreien oder Wimmern, kindliche Geräusche, obwohl die Eltern sagen, das Kind sei nicht da

• Nicht altersgerechte Aufgaben, zum Beispiel wenn Siebenjährige ständig ihre jüngeren Geschwister versorgen müssen

 

Manchmal ist es auch sehr schwierig, die Misshandlungen zu erkennen, da sie wirklich im Verborgenen stattfinden und Kinder auch oft in einer angstvollen Atmosphäre leben, die dazu führt, dass sie nichts sagen können und ausgeliefert sind. Genau hinschauen, kritisch bleiben und eigene Impulse wahrnehmen ist wesentlich - vielleicht können wir in Einzelfällen so dazu beitragen, dass Kinder aus solchen Situationen befreit werden.

 

"Oft können wir die Dinge nicht ändern - aber wir können den Blick auf die Dinge und so unsere Haltung verändern. Das ist schon viel."

 

"Ich bin überzeugt, dass Krisen Chancen sein können, wesentliche Aspekte in einer Beziehung zu erkennen und sie zu verändern.

 

"Durch Gespräche kann Entlastung und innere Bewegung in Gang kommen und so eine sichtbare Veränderung der Situation entstehen."

 

„Es ist ganz normal, dass es in Beziehungen auch mal Schwierigkeiten gibt. Das ist ein Aspekt, den ich versuche in meiner Arbeit zu zeigen und in der Sendung zu transportieren. Menschen dürfen sich bei Bedarf Unterstützung holen und brauchen keine Scham zu haben. Ich nutze das Medium Fernsehen auch, um auf spezielle Beratungsangebote aufmerksam zu machen und Tabuthemen, wie Gewalt anzusprechen.“

 

„Ich erlebe oft, dass Eltern ihren Kindern nicht zuhören können und dass sie wenig Verständnis für die Situation und Entwicklungsphasen ihrer Kinder haben.“

 

„Ich bin nicht „Die Super-Nanny“, lediglich die Sendung heißt so. Ich arbeite in diesem Rahmen als Pädagogin, könnte aber genauso in einem Amt oder bei einem freien Träger arbeiten und beraten - mein Setting ist neu und gefällt mir sehr.“

 

„Zaubern kann ich auch nicht. Aber im Gegensatz zu der eher langfristig angelegten Arbeit, die ein Amt bzw. Kollegen leisten, kann ich im Rahmen meiner Kurzzeit- bzw. Intensivberatung andere Schwerpunkte setzen.“

 

„Ich spreche nicht von „Fällen“. Ich begegne Menschen und Familien - Fälle klingt abschätzig und trifft nicht mein Gefühl. Es geht nicht darum, ob eine Geschichten „härter“ oder „schlimmer“ ist. Es geht vor allem um Themen wie z.B. Gewalt in der Familie, das immer wieder tabuisiert wird. Wichtig ist, dass ich mit den Familien, den Eltern gemeinsam bespreche, wo die Ursachen liegen. Ich möchte die Eltern vor allem stärken und ihren Blick auf die Dinge im Sinne der Kinder verändern. Ich arbeite ressourcen-orientiert. Das heißt, dass jeder etwas mitbringt, jeder etwas kann und ich genau daran anknüpfen möchte. Die Menschen und die Gesellschaft schaut oft nur auf das, was nicht gut läuft und auf die Defizite!“

 

„Es sind immer bestimmte Umstände, die zu einer schwierigen Situation führen. Oft ist eben nur das Symptom zu sehen! Die Gesellschaft schimpft hier gerne schnell auf die Kinder, die in einer oft krankmachenden Umwelt gesund reagieren. Dennoch - die Mutter oder die Kinder selbst sind nie schrecklich.“

 

„Ich schaue mir die Dynamik und die Geschichte der einzelnen Familienmitglieder an und frage mich: ,Was können die leisten, um das, was sie verändern wollen, zu schaffen?’ Einfach nur Regeln aufzustellen bringt nichts, das ist zu platt und hilft nicht bei tiefgreifenden Veränderungen. Um die herbeizuführen, müssen neue Handlungsalternativen und andere Strategien für das Verhalten der Eltern erprobt und gefunden werden. Allerdings mache ich in einem Punkt keine Kompromisse: Gewalt ist keine Lösung!“

 

Ich dringe ja mit dem Fernsehteam nicht einfach in die Familien ein, wir werden eingeladen und um Hilfe gebeten. Die pädagogische Arbeit mit den Erwachsenen und Kindern bedeutet einen großen Kraftaufwand für alle. Voraussetzung dafür ist, dass wir alle zurückhaltend und inhaltlich auftreten. Bei uns sind alle sehr verlässlich, da gibt es kein Gespringe.“

 

„Wir arbeiten sechs bis zehn Tage in den Familien, starten oft schon morgens um halb sechs mit der Arbeit um feststellen zu können: Was passiert schon kurz nach dem Aufstehen? Wie starten Eltern und Kinder in den Tag?“

 

Es hat sich viel entwickelt und verändert. Zu Beginn war das Format vorgegeben und sehr begrenzt, ich habe mich darin bewegt. Jetzt folgt die Kamera mehr mir und meiner pädagogischen Tätigkeit. Darüber bin ich sehr froh. Im Team zu arbeiten, bereichert mich sehr und ist Voraussetzung für diese Arbeit. Die Psychologenstellen für die Nachbetreuung und Ausstrahlungsbegleitung gab es am Anfang nicht und ich musste mich dafür einsetzen, weil ich es für die Familien und die Arbeitsweise wichtig finde. Was für neu und schön ist – ich kann meine Haltung zu Menschen und meine pädagogische Arbeit so noch deutlicher machen und so vorgehen, dass wir Dinge in der Familie positiv formulieren und am Guten ansetzen. Es geht nicht um Verbote und um das was nicht so gut läuft, sondern vor allem um das, was trotz aller Schwierigkeiten auch gut geht. Das ist wichtig für die Familien, die Entwicklung und die Veränderung.

 

„Ich muss den Familien nichts „verbieten“ und kein Urteil fällen! Ich bin weder Polizist noch Richter und so darf erstmal alles in der Familie wertfrei so stehen bleiben. Dann frage ich die Familien: Was erwartetet ihr von mir? Im Folgenden versuche ich dann Muster im Verhalten zu begreifen. Was ich immer wieder bewegend finde, sind die Erfahrungen, die ich bei der intensiven Arbeit mit den Eltern und Kindern mache.“

 

„Wenn die Erwartung ist: Es soll in der Familie alles ganz anders werden und immer gut laufen, die Kinder sollen, funktionieren oder ähnliches. Das kann und will ich natürlich nicht leisten. Aber ich kann den Blickwinkel der Eltern auf die Kinder und die Dinge verändern. Die Kinder sind immer ganz offen und wunderbar in meiner Arbeit!“

 

„Die Grenze, wo wir gemeinsam etwas anstoßen oder sogar längerfristig ins Rollen bringen, ist fließend. Wichtig ist, dass die Familien nach meiner Arbeit nicht alleine mit allem bleiben. Die Nachsorge ist mir wichtig und gehört zu meiner Arbeit dazu. Das bedeutet, dass die betreuende Psychologinnen zum Beispiel Therapieplätze für die Mutter sucht oder sich darum kümmert, dass eine Familienhilfe vom Jugendamt übernommen wird. Ganz wichtig ist, dass auch bei der Ausstrahlung eine Psychologin bei der Familie sein kann, das Gesehene besprochen und die Arbeit insgesamt wertgeschätzt werden kann.“

 

„Viele der Familien haben bereits Erfahrungen mit dem Jugendamt gemacht. Manchmal haben sie Angst vor staatlichen Stellen, weil sie fürchten, die Mitarbeiter hätten längst eine vorgefertigte Meinung und üben nur Kontrollen aus, denen sie nicht standhalten können - das ist dramatisch und müsste meiner Meinung nach verändert werden.“

 

„Manchmal hilft es z.B. einer Mutter schon, wenn sie sich ein paar Stunden mit jemandem unterhalten und über ihre Probleme, die sie gerade hat und Dinge, die in der Vergangenheit geschehen sind aussprechen kann.“

 

„Ich bin erstaunt, wenn es heißt, dass der Rahmen, in dem ich pädagogische Arbeit mit den Familien leiste vom Staat nicht bezahlbar und umsetzbar sei. Meiner Meinung nach, müssen Gelder anders verteilt werden und die Hilfen individueller auf die Familien abgestimmt eingesetzt werden.

 

„Um die Erlebnisse in den Familien zu verarbeiten gehe ich selbst in Supervision. Das ist notwenig und eine Art „Psycho-Hygiene“ für mich, damit ich wieder psychisch erholt und guter Dinge in die nächste Familienarbeit gehen kann.“

 

„Ich finde Persiflagen auf meine Arbeit oft platt und auf dem Rücken der Kinder. Sehr gelacht habe ich, als Anke Engelke mich parodiert hat. Da ging es um mich und meine Eigenheiten, zum Beispiel, meine Stimmlage und dass ich immer den Finger an die Wange lege.“

 

„Es ist völlig destruktiv, wenn die Medien von „Monsterkindern“ oder „Monstereltern“ sprechen. Das wird der Sache nicht gerecht und ist abwertend den Kindern gegenüber. Ich habe was dagegen, wenn Kinder nur funktionieren sollen.“

 

„Schwierigkeiten in der Erziehung – also eigentlich in der Beziehung, sind nichts Schicht-spezifisches. Im Gegenteil: Krisen gehören für uns alle zum Leben dazu und sind grundlegend.“

 

„Ich bekomme manchmal den Eindruck, dass Kinder, die sich nicht 100prozentig anpassen und gute Unterstützung von ihren Eltern bekommen können, in unserem Schulsystem schnell durchfallen können. Ich habe schon kluge, lebendige Kinder erlebt, die aus unterschielichen Gründen einen Abstieg bis auf die Förderschule erlebt haben. Manche konnten sich einfach nicht durchsetzen, wieder andere haben vieles hinterfragt und zeitaufwändige Fragen gestellt! Dafür ist oft keine Zeit.“

 

FAQs

Wo liegen denn ihrer Meinung nach die größten Probleme in der Erziehung heutzutage?

Ich glaube, die größten Schwierigkeiten bestehen darin, dass Eltern oft wollen, dass ihre Kinder 'funktionieren'. Diese Grenze, was ist noch im Rahmen, was gehört zum Entwicklungsprozess meines Kindes dazu und was ist jetzt schon nicht mehr in Ordnung, wo muss ich eine Grenze setzen - dass ist Eltern meist schon nicht mehr klar. Ich komme oft in Familien, in denen die Eltern so tun, als wären ihnen die Kinder zugelaufen. Oft können sie deren Entwicklung nicht mehr nachvollziehen. Dabei ist es normal, dass sich ein zweijähriges Kind mal auf den Boden schmeißt und auch mal schreit, trampelt und hau t. Das gehört einfach dazu. Und es ist normal, dass sich ein fünfjähriger so und so verhält... Ich habe manchmal das Gefühl, ich müsste das Bild der Eltern von ihren Kindern erstmal wieder zu Recht ruckeln.

 

Haben Sie DEN Erziehungstipp?

Die Menschen fragen mich immer nach Patentlösungen. Ich gebe keine Tipps, es ist einfach nicht möglich. Erziehen ist nicht wie kochen. Da kann man nicht hingehen und sagen: „Mach doch ein bisschen mehr Pfeffer dran oder Salz.", sondern es ist komplexer. Ich nehme mir gerne die Zeit mich mit den Schwierigkeiten auseinander zu setzen, aber einfach so Tipps geben, das geht nicht.

 

Aber Reden ist Gold?

Reden ist auf jeden Fall Gold und auch "sich Hilfe holen". Unterstützung ist ja nichts anderes als ein Austausch. Ich habe immer den Eindruck, wenn man erstmal über die Dinge gesprochen hat, die da im Raum stehen, hat man auch automatisch weniger Sorgen und weniger Angst, denn man trägt es nicht mehr mit sich rum. Man kann sich von Außen alles angucken, kann es auch noch mal abwägen, noch mal einordnen und dann wird die Sorge auch schon wieder ein bisschen kleiner.

 

Sie sagten mal, Kinder passen heutzutage nicht mehr in unser Leben, was meinen sie denn damit?

Mein Eindruck ist, dass Kinder für viele ein notweniges Übel sind. Wenn wir keine Kinder haben geht es natürlich nicht weiter, aber Kinder mit allem was dazu gehört an zunehmen, das fällt schwer. Kinder ja, aber Dreck nein, Kinder ja, aber Lärm nein...

Kinder werden oft missverstanden und nicht gehört. Alles was Kinder sagen und machen hat einen Sinn. Erwachsene haben oft nicht die Kraft oder das Interesse, da genauer hinzugucken, sich mit den Kindern zu beschäftigen. Es ist alles zu anstrengend, alles zu schnelllebig, man muss seinen Job machen, man hat keine Zeit mehr. Da guckt man lieber, das man sein Leben auf die Reihe kriegt als das man sich für ein Kind entscheidet. Nachvollziehbar, aber nicht konstruktiv für Kinder.

 

Presseartikel - Auswahl

Der Tagesspiegel, 23.12.2011
"Alles, was Kinder tun und sagen, hat Sinn"
DER TAGESSPIEGEL, 23.12.2012
Interview Tagesspiegel.pdf
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DIE ZEIT ONLINE, 29.11.2011
"Die Super Nanny" - Schluss mit dem inszenierten Elend
DIE ZEIT ONLINE, 29.11.2011.pdf
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Der Westen, 02.09.2010
"Die Supernanny ist eine echte Familienflüsterin"
DERWESTEN, 2.9.2010.pdf
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Man ist was man isst, 02.2010
"Innere Leere wird oft mit
Essen gefüllt"
Man ist was man isst, 02-2010.pdf
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Spiegel online, 01.09.2010
"Wie werde ich ..."
Spiegel online, 1.9.2010.pdf
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Sueddeutsche.de, 26.05.2010
"Ich hätte Lust auf andere Sendungen"
SZ.de, 26.5.2010.pdf
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Welt Online, 24.05.2010
"Kinder sind ein unkalkulierbares Zukunftsrisiko"
Welt online, 24.5.10.pdf
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© 2011 Frank Hempel
© 2011 Frank Hempel

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